Ulla Ihnen

Endlager für radioaktive Abfälle: Suche wird konkret

Ende September wird Bewegung in die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle kommen. Dann stellt die Bundesgesellschaft für Endlagerung den so genannten "Teilgebietebericht" vor. Auch in Niedersachsen könnten einige Regionen als Standort für ein Endlager in Frage kommen. Die weitere Suche soll bis 2031 abgeschlossen sein.

 

 

2011 wurde in Deutschland als Folge der Reaktorkatastrophe in Fukushima (Japan) der Atomausstieg beschlossen und das Ende der Kernkraft in Deutschland besiegelt. Die letzten Atomkraftwerke gehen in Deutschland geplant 2022 vom Netz. Damit geht in der Energieversorgung eine Ära zu Ende.

 

Was jedoch immer wieder gerne ausgeblendet wird, sind die radioaktiven Abfälle, die im Laufe der Jahre in Deutschland angefallen sind. Dadurch, dass es seit einigen Jahren keine Castor-Transporte mehr gegeben hat, ist das Thema End- und Zwischenlagersuche aus der politischen Debatte weitgehend zurückgedrängt gewesen. Doch das ändert sich Ende September.

 

Der Deutsche Bundestag hat im Jahre 2017 das so genannte „Standortauswahlgesetz“ beschlossen. Für die Ermittlung potentieller Standorte ist man mit Beginn der Suche zunächst von einer „weißen Karte“ ausgegangen. Mit dem „Teilgebietebericht“ wird diese „weiße“ Karte nun erstmals eingegrenzt. Das bedeutet, dass Regionen aussortiert werden, die nach definierten Kriterien nicht als Standort für ein solches Endlager in Frage kommen. Umgekehrt wird die „weiße“ Landkarte „Flecken“ bekommen, denn im Umkehrschluss bleiben Regionen übrig, die nicht aussortiert wurden. Auch der Salzstock in Gorleben könnte deshalb wieder in die Suche einzubeziehen sein.

 

Diesen Bericht wird die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die ihren Hauptsitz in Peine hat, am 28. September vorstellen. Die BGE koordiniert die Suche nach einem Endlager in Deutschland, in dem hochradioaktiver Abfall sicher eingelagert werden soll. Dieses muss zusätzlich zum bereits im Bau befindlichen Endlager Schacht Konrad gefunden werden. Im Schacht Konrad sollen schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert werden.

 

Dieser wissenschaftlich fundierte Suchprozess nach einem Endlager soll bis 2031 abgeschlossen sein. Dann sollen im Rahmen eines abschließenden Vergleichs mindestens zwei Orte gefunden sein, in denen hochradioaktive Abfälle sicher lagern können. Zwischen diesen verbleibenden Standorten wird dann endgültig eine Entscheidung getroffen. Die BGE, angesiedelt im Ressort von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, soll größtmögliche Transparenz über den Suchprozess schaffen und eine umfassende Bürgerbeteiligung sicherstellen.

 

Mit dem 28. September werden also bestimmte Regionen für eine weitere Erkundung im Suchprozess in den Fokus rücken. Bis zu 100 Regionen könnten in der ersten Auswahl sein. Salz-, Ton- und Granitgesteinsformationen sind potentiell für ein Endlager wohl in Betracht zu ziehen. Auch in Niedersachsen werden wohl viele Standorte im „Teilgebietebericht“ stehen. Diese identifizierten, geologischen Formationen werden dann fachlich und wissenschaftlich fundiert weiter und näher untersucht, und immer weiter reduziert. Vor- und Nachteile dieser Optionen sollen dann an die Bevölkerung offen kommuniziert werden. Es ist richtig, dass in einem transparenten Verfahren die Menschen bei dieser weitreichenden Entscheidung mitgenommen werden. Denn in der Frage der Endlagerung muss der beste, mögliche Standort gefunden werden, und zwar unabhängig von jeder Parteipolitik.

 

Nicht nur in meiner Zeit als Staatssekretärin im Umweltministerium in Hannover war die End- und Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle häufig Gegenstand meiner Arbeit. Auch als die für das Bundesumweltministerium zuständige Haushaltspolitikerin im Bundestag muss ich mich immer wieder damit befassen. So habe ich im vergangenen Februar die Gelegenheit, mich bei der BGE über das Auswahlverfahren und die Arbeit der Gesellschaft zu informieren, genutzt. Zudem bin ich als Kuratoriumsmitglied des Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KENFO) insbesondere mit der finanziellen Dimension des Vorhabens befasst. Diese Aufgabe, ein sicheres Endlager zu schaffen, wird uns als Gesellschaft noch über Jahrzehnte beschäftigen.