Ulla Ihnen

„Generation Equality“ – Weltfrauentag 2020

Unter dem Motto „Generation Equality“ der Vereinten Nationen fand wieder in diesem Jahr am 8. März der Internationale Frauentag statt. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung sind Frauen. Aber es gilt bis heute noch die Aussage: Frauen sind eine Mehrheit, die wie eine Minderheit behandelt wird.

 

Auch bei uns in Deutschland soll an diesem Tag ein Zeichen für mehr Fortschritt bei der Verwirklichung von Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Alltag gesetzt werden. Inhaltlich geht es unter anderem um ein Ende der Gewalt gegen Frauen, wirtschaftliche Gleichberechtigung, mehr politische Teilhabe und körperliche Selbstbestimmung.

 

Im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen entstand der Internationale Frauentag, der seit 1921 am 8. März gefeiert wird. 1975 erklärten dann die Vereinten Nationen den 8. März zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. In Deutschland wurde seither viel erreicht. Frauen in Deutschland dürfen wählen, brauchen keine Zustimmung des Ehemannes, wenn sie arbeiten wollen und Vergewaltigung in der Ehe ist eine Straftat. Mit Hartnäckigkeit und Geduld wurden die heutigen Rechte von Frauen für Frauen über Jahre erkämpft.

 

Dennoch: Mehr als 100 Jahre nach den Anfängen sind die Forderungen nach Gleichberechtigung für Frauen immer noch aktuell. Denn bei allen Fortschritten, die in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland gemacht wurden, muss es noch mehr Anstrengungen geben, um das zu verwirklichen, was in Artikel 3 unseres Grundgesetzes geschrieben steht: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. […] Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“.

 

So verdienen Frauen laut Statistischem Bundesamt über alle Branchen und Berufe hinweg in Deutschland im Schnitt immer noch 21 Prozent weniger als Männer. Wenn es darum geht, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, sind es meistens die Frauen, die durch Teilzeitarbeit beruflich zurückstecken und die Hauptlast der Familienarbeit übernehmen. Fast die Hälfte aller berufstätigen Frauen arbeitet in Deutschland heute in Teilzeit, während es bei den Männern nur ca. 11 Prozent sind. Das hat langfristige Folgen, insbesondere beim Erwerb von Rentenansprüchen. So rutschen Frauen im Alter schneller in eine prekäre Lage ab.

 

Dazu ist Gewalt gegen Frauen auch in Deutschland und Europa trauriger Alltag. Statistisch ist jede dritte Frau einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen. Nicht nur in manchen Regionen der Welt, sondern selbst in Deutschland existiert noch immer die grausame Praxis der Genitalverstümmelung, die viele Frauen und Mädchen traumatisiert, entstellt und für den Rest ihres Lebens schlimmste Schmerzen bereitet.

 

Deshalb dürfen wir im Jahr 2020 nicht nachlassen, für die Gleichberechtigung und Teilhabe der Frauen zu arbeiten. Dafür brauchen wir Vorbilder – auch in der Politik. Eine Bundeskanzlerin, eine EU-Präsidentin, eine Verteidigungsministerin und ein Frauenanteil von 31,2 Prozent im Deutschen Bundestag sind ein Anfang, aber noch lange nicht genug.