Ulla Ihnen

Bargeld ist geprägte Freiheit

Im Arbeitsprogramm der neuen EU-Kommission unter der Präsidentin Ursula von der Leyen findet sich der Vorschlag, den Einsatz von Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu evaluieren. Das könnte am Ende dazu führen, dass beide Münzen abgeschafft werden und stattdessen alle Kaufpreise auf- oder abgerundet würden.

 

Dahinter steckt die Überlegung, dass die Herstellung z.B. einer 1-Cent-Münze teurer als ein Cent ist. Das heißt: Der Staat macht durch die Produktion dieser Münzen ein Verlustgeschäft. Die EU-Kommission bezieht sich bei ihrem Vorschlag auch auf Umfragen von Eurobarometer nach denen sich 60% der Bürgerinnen und Bürger Europas für eine Abschaffung der Münzen und eine Auf-und Abrundung von Preisen aussprechen.

 

Gerade Bäckereien hätten von runderen Preisen mehr Vor- als Nachteile. Der Bezahlvorgang geht schneller und es müssen nicht ständig Wechselgeldreserven gehalten werden. Ein Verzicht auf die Kleinstmünzen ist durchaus eine Maßnahme, über die man nachdenken kann. Ein solcher Schritt darf aber nicht als Einstieg in eine komplette Bargeldabschaffung gesehen werden. Bargeld muss auch in Zeiten der Digitalisierung als Zahlungsmittel verfügbar bleiben.

 

Bargeld gibt uns eine bessere Kontrolle über unsere Ausgaben, denn wir können uns den Wert des Geldes besser vorstellen, wenn wir es wirklich in der Hand halten. Dazu ist es ein anonymes Zahlungsmittel: Bei der Nutzung einer Kreditkarte wird jede Transaktion nachvollziehbar und wir hinterlassen Datenspuren. Bargeld dagegen ist ein Garant für unsere Privatsphäre. Es hat also auch einen Freiheitsaspekt und ist ein Instrument, um unsere Freiheitsrechte zu schützen. Und Bargeld ist ein Stück weit auch finanzielle Selbstbestimmung!

 

Eine erste konkrete Maßnahme zur Einschränkung der Bargeldnutzung war schon die Abschaffung des 500€-Scheins im Jahr 2016. Mitte 2017 wurde in Deutschland die erste Obergrenze (14.999€) eingeführt, bis zu der man bar bezahlen darf. Eine Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen darf kein schleichender Einstieg in die komplette Abschaffung von Bargeld sein. Denn eine Bargeldabschaffung hat eine vollkommen digitale Welt zur Folge, in der jede Transaktion nachvollziehbar ist, von der Kollekte in der Kirche, bis zum Wein, den ich trinke. Bargeld bedeutet Autonomie für das eigene Leben.

 

Fjodor Dostojewski sagte schon im 19. Jahrhundert: „Geld ist geprägte Freiheit“. Das gilt unverändert bis heute, ganz besonders für das Bargeld.