Ulla Ihnen

Unser Wald in Not

Was uns lieb und teuer ist, wird uns häufig erst durch seinen Verlust deutlich.

Dem deutschen Wald geht es gar nicht gut: Lange Trockenheit, Sturmschäden, der Befall des Borkenkäfers oder Waldbrände haben ihre Spuren hinterlassen.

Nach dem Extremjahr 2018 hat sich auch das Jahr 2019 aufgrund seiner ausgeprägten und langen Trockenheit zu einem weiteren sehr schwierigen Jahr für die heimischen Wälder und für die deutsche Forstwirtschaft entwickelt. Die Bundeswaldinventur geht davon aus, dass mehr als 100.000 Hektar nachhaltig geschädigt sind. Abholzung, Schädlingsbefall sowie extreme Wetterlagen und Waldbrandgefahr gefährden unseren Waldbestand.

Besonders der Borkenkäferbefall stellt in 2019 eine große Bedrohung für den Wald dar, denn der Käferbestand ist so hoch wie noch nie in der Vergangenheit. So können aus einem einzigen Borkenkäferpärchen über 100.000 neue Käfer werden. Derzeit treten Schädlinge und Krankheiten in einem solchen Ausmaß auf, dass es die Forstwirtschaft wirklich bedroht.

Dabei ist ein gesunder Wald der beste Beitrag zum Klimaschutz. Wald und Holz leisten gemeinsam einen geschätzten Klimaschutzbeitrag von 127 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr und gleichen damit rund 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen Deutschlands aus. Aber unsere Wälder sind auch Sauerstoffproduzent, Wasserspeicher, Luftfilter und Schattenspender. Darüber hinaus sind sie Rohstofflieferanten, damit Basis für viele Arbeitsplätze, und auch ein Ort zur Erholung und des Naturerlebnisses.

Die kritische Situation in den deutschen Wäldern muss ernst und umgehend Maßnahmen zur Rettung und Stabilisierung des Waldes in Angriff genommen werden. Die Freien Demokraten im Deutschen Bundestag haben deshalb einen 10-Punkte-Plan zur Rettung der Wälder erstellt. 

Wir fordern darin u.a., dass alle Beteiligten wie die Forstexperten aus Ministerien, die Waldbesitzer, die Holzwirtschaft und Experten für Waldgesundheit zunächst in einer Task Force an einen Tisch geholt werden. Ziel der Task Force muss es sein, ein wirksames Maßnahmenpaket zu schnüren. Wir brauchen Sofortmaßnahmen zur Behebung der jetzt bereits vorhandenen Waldschäden ebenso wie eine langfristige Strategie mit einem umfassenden Konzept für den Schutz der Wälder und für eine starke Holz- und Forstwirtschaft. Dazu gehört z.B. die Wiederaufforstung mit klima- und standortangepassten Mischbaumarten.

Wir sind überzeugt, dass wir unsere Wälder durch gezielte Maßnahmen erhalten können. Langfristig muss ein Waldumbau stattfinden, der den Veränderungen durch den Klimawandel Rechnung trägt. Waldumbau muss in der Zukunft innovativ statt ideologisch stattfinden.

Die Bundesregierung hat zwar ein großes Aufforstungsprogramm, das den klimastabilen Waldumbau voranbringen soll, angekündigt. Dabei wird immer wieder die scheinbare Klimatoleranz vieler Baumarten hervorgehoben. Leider ist zunehmend festzustellen, dass auch bisher hitzebeständige oder trockenresistente Baumarten unter dem enormen Wasserdefizit leiden, das sich seit dem Sommer 2018 aufgebaut hat. Es müssen deshalb jetzt umgehend neue Konzepte wissenschaftlich erarbeitet werden, mit welchen Baumarten ein konkreter klimaplastischer Waldumbau realisiert werden kann und soll. Jetzt gilt es deshalb, die Weichen für die Zukunft zu stellen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Wir brauchen klimastabile Wälder für die Zukunft. Denn heute gepflanzte Wälder müssen auch in 100 Jahren noch zu den dann geänderten Boden- und Klimaverhältnissen passen. Mit all diesen erforderlichen Maßnahmen können wir aber die Waldbesitzer auch nicht allein lassen.

Unerlässlich ist in dem Zusammenhang, ein umfassendes Waldmonitoring einzuführen, da Grundlage für eine nachhaltige Waldwirtschaft verlässliche Informationen über den Zustand der Wälder sind. Das derzeitige zehnjährige Intervall der Bundeswaldinventur ist zu groß, denn nachhaltige Veränderungen in den Wäldern spüren wir bereits nach zwei trockenen Sommern. Deshalb müssen hier Bund und Länder Hand in Hand arbeiten.

Wir Freie Demokraten erwarten vom Bund eine engagierte Waldpolitik der Zukunft, eine starke koordinierende Rolle statt Zurückhaltung. Denn wir sind uns dessen bewusst, dass wir gegenüber den nachfolgenden Generationen eine große Verantwortung für unseren Wald haben. Wie gesagt, was uns lieb und teuer ist, wird uns erst durch dessen Verlust deutlich.