Ulla Ihnen

Wie steht es um Kunst und Kultur in der Krise?

(Foto: Julia Deptala Photography)

 

Die Monate März und April, als soziale Kontakte von jetzt auf gleich auf ein absolutes Minimum zurückgefahren werden mussten, waren für die Wirtschaft verheerend: Millionen Kurzarbeiter und einbrechende Steuereinnahmen zeugen davon. Das Bedürfnis der Menschen nach Kulturangeboten und nach Kunst war für kurze Zeit in den Hintergrund gerückt.

Museen und Galerien mussten schließen; Kinos, Konzertsäle und Opernhäuser konnten keine Aufführungen mehr anbieten. Seit den schrittweisen Lockerungen kann der Betrieb, regional abhängig, wieder schrittweise anlaufen. Doch noch immer leiden Künstler, Schauspieler, Musiker und die gesamte Veranstaltungsbranche. Aufträge und Umsätze sind massiv eingebrochen. Diese Situation könnte sich noch über Monate hinziehen.

Vielen bleibt nur die Beantragung von Grundsicherung

Die Branche, die so sehr vom physischen Miteinander von Menschen abhängig ist, wird von den Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Abstandsregelungen am härtesten getroffen. Es ist absehbar, dass ein Normalbetrieb so lange nicht möglich sein wird, wie die Pandemie noch nicht vollständig unter Kontrolle ist.

Die ersten Hilfsprogramme der Bundesregierung kamen bei vielen kleinen Betrieben zwar an. Doch daraus durften nur laufende Betriebskosten abgedeckt werden. Während das der Veranstaltungsbranche vielleicht kurzzeitig geholfen hat, konnten Künstler nicht ihre eigentlichen Lebenshaltungskosten daraus bestreiten, etwa für Miete und für Heizung. Vielen freischaffenden Musikern und Künstlern bleibt so nichts anderes übrig, als Leistungen zur Grundsicherung zu beantragen.

Bis heute hat die Bundesregierung als Reaktion auf Corona kein spezielles Programm zur Deckung der Lebenshaltungskosten von Selbständigen aufgelegt. Für ein solches Programm hatten wir uns als Freie Demokraten eingesetzt.

Hygienemaßnahmen sind kostspielig

Der Wunsch vieler Betroffener nach einer schnellen Öffnung der Kulturstätten ist nachvollziehbar. Auch in der Bevölkerung wächst der Wunsch nach mehr Kunst- und Kulturangeboten. Daher ist es wichtig, dass man jetzt keine pauschalen Öffnungsverbote verhängt, sondern die Öffnung von stimmigen Hygiene- und Abstandskonzepten abhängig macht sowie auf die lokale Verbreitung des Virus schaut. Dabei sind aber klare Anweisungen der lokalen Behörden zwingend notwendig. Veranstalter brauchen klare Vorgaben, um einen rechtssicheren Betrieb gewährleisten zu können.   

Trotz dieser Hürden haben viele Einrichtungen bereits tolle Konzepte vorgelegt und konnten den Spielbetrieb wieder, zumindest eingeschränkt, aufnehmen. Für die betroffenen Veranstalter hat dies aber oft einen bitteren Beigeschmack: Durch die geringeren Zuschauerkapazitäten gehen Eintrittsgelder verloren. Kostspielig sind auch die Anschaffungen und Umbaumaßnahmen für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen: Plexiglasscheiben, Masken für das Personal, Desinfektionsmittel und noch weitere Ausgaben schmälern die Geschäftszahlen. Beides zusammen zeigt, in welcher prekären Lage sich der Kulturbetrieb befindet.

Eine Milliarde Euro sollen die Härten abfedern

Der Deutsche Bundestag hat auf die akuten Probleme der Kunst- und Kulturbranche reagiert und im zweiten Nachtragshaushalt, auf Vorschlag der Bundesregierung,  eine Milliarde Euro für die Stärkung der Kunst- und Kulturbranche bewilligt. Als Freie Demokraten hätten wir uns eine andere Verteilung der Mittel gewünscht: Weniger Mittel für kommunale Kulturträger und mehr für private Träger, die keine Zuweisungen aus den öffentlichen Haushalten erhalten.

Dennoch sind die Fördermittel ein wichtiger Beitrag für die Wertschätzung der Kultur in Deutschland. Daher reicht es nicht nur aus, dass diese Summe bereitsteht. Jetzt muss die Bundesregierung durch ein klares Konzept dafür sorgen, dass die bereitgestellten Gelder auch dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden.

Kunst und Kultur können uns Inspiration und Kraft geben, um diese herausfordernden Zeiten gut zu durchstehen. Doch das geht nur, wenn die Härten, die auf den Kulturbetrieb zugekommen sind, jetzt zügig abgefedert werden. Als Freie Demokraten wollen wir darauf drängen, dass die Fördermittel schnell und zielgerichtet ausgezahlt werden – bevor es für manche in der Branche zu spät ist.